Gestatten: Haas, der menschliche Roboter!

Keynote Speaker Mathias Haas – als Redner, Moderator und Experte für Zukunft und Megatrends auf diesen Bühnen unterwegs – hat sich sozusagen temporär verstärken lassen.

Wer jetzt an einen weiteren Haas’schen Schritt zum #Cyborg denkt (der #Zukunftsexperte ist immerhin Mitglied beim Cyborg e.V.), der irrt. Vielmehr ging es darum herauszufinden, wie man unseren Körper angesichts der veränderten Rahmenbedingungen unserer Lebens- und Arbeitswelt sinnvoll unterstützen kann.

DER #TRENDBEOBACHTER, wie Haas‘ Berufsbezeichnung auch noch lautet, ist mit großer Neugier aktuellen und kommenden Trends auf der Spur und trifft regelmäßig unter anderem Forscher und Entrepreneure, um sich mit ihnen über neue Entwicklungen jeglicher Art auszutauschen. Dieses Mal ging es in die Nachbarschaft – Stuttgart-Vaihingen-, wo das Fraunhofer IPA zum Thema #Exoskelette forscht.

So ein Exoskelett ist übrigens nichts aus der „Beam-me-up, Scotty“-Abteilung. Wikipedia erklärt uns bei diesem Thema zwar etwas von Insekten und Weichtieren. Doch in der Menschenwelt, bei denen das natürliche Skelett meistens innen liegt, handelt es sich bei einem Exoskelett um einen außen am Körper getragenen, bionisch konstruierten, mechanischen Apparat, der unsere Bewegungen mit Energie unterstützt und uns so wahlweise größere Kräfte oder erstmal überhaupt welche verleiht.

Die verschiedensten Typen gibt es auf dem „Markt“, wenn man ihn so nennen möchte: Von Teilskeletten, die nur einen bestimmten Teil des Körpers unterstützen bis hin zu quasi-Komplettsystemen für den gesamten Körper wurde schon einiges entwickelt. Am einen Ende der Skala stehen dabei passive Konstruktionen, die Energie u.a. aus Federspeichern rein kinetisch aufbringen und die den Nutzer zum Beispiel bei der Arbeit auf der Baustelle beim Heben und Tragen von schweren Lasten unterstützen.

In einer anderen Liga spielen jene Systeme, wie sie die DER TRENDBEOBACHTER bei den Fraunhofer-Forschern jüngst selbst ausprobieren durfte: Ein Rucksack voller Hightech (also Steuerung und Energieversorgung) sowie das eigentliche Oberkörper-Skelett mitsamt Sensoren, Aktoren, Stangen und Haltebändern bilden das Konstrukt, das von vornherein erst einmal erscheint, als würde man es gar nicht tragen können. Stimmt auch zu einem gewissen Teil – jedenfalls solange, wie es nicht eingeschaltet ist.

Doch dann geht’s ab! Futurist Haas fühlt sich tatsächlich wie in der Zukunft. Statt 10 Jahren Fitness-Studio reicht ein Knopfdruck, und alles, was ihm ab jetzt in die Hand gedrückt wird, fühlt sich wie eine Streichholz-Schachtel an. Steuerung, Elektromotoren und Hydraulik sorgen dafür, dass die menschliche Bewegung erkannt, ergonomisch aufgenommen und so unterstützt wird, dass man meinen könnte, man hätte sich einen tragbaren Roboter auf den Körper geschnallt.

Bei Fraunhofer, wo seit längerem zu diesem Thema grundlegend geforscht wird, fließen Erkenntnisse der Biomechanik ebenso in die Entwicklung ein wie Erkenntnisse zu medizinischen und physiologischen Aspekten des Tragens solcher Apparate.

Tragen solcher Apparate…Warum würde man sich sowas überhaupt „auf(er)legen“? Die Anwendungen sind vielfältig und gehen bereits heute weit über das Forschungsstadium hinaus. Woran kann man also denken, wenn man sich mit solcher „übermenschlicher“ Unterstützung beschäftigt.

Zum einen wären da all jene Anwendungsfälle, bei denen Menschen durch das Exoskelett Beweglichkeit und Kraft zurückerhalten, die sie aufgrund einer Behinderung oder eines Unfalls eingebüßt haben. Es gibt Beispiele, bei denen Menschen durch die Verwendung eines solchen Geräts die Fähigkeit zu gehen wiedererlangt haben. Beim #Cybathlon beispielsweise, einer Art Olympische Spiele für Exoskelett-Träger, der von der #ETH in Zürich veranstaltet wurde, konnten die Teilnehmer zeigen, wie gut ihre körperlichen Einschränkungen durch ihre Außenskelette kompensiert wurden.

Kranke oder alte Menschen (von denen es in unseren Industriegesellschaften ja zukünftig genügend geben wird) können mithilfe aktiver Prothesen, Orthesen oder (Teil-)Exoskelette länger selbständig mobil bleiben. Das Gleiche gilt, wenn durch diese Geräte beispielsweise nach einem (Arbeits-)Unfall die Wiedereingliederung ins Arbeitsleben ermöglicht wird.

Und Gesunde? Ihnen könnte man helfen, nicht krank zu werden. Denken wir aus Sicht der Berufsgenossenschaften im Sinne der Prävention, dann könnten die Kofferlader am Flughafen oder andere, durch Gewicht oder schwere Montagearbeiten geplagte Berufsgruppen vielleicht bald aufatmen.

Zu Ende gedacht steht natürlich auch hier die „Verbesserung“ des Menschen mit auf dem Zettel: Im militärischen Bereich könnte man Soldaten wesentlich größere Kräfte und erweiterte Fähigkeiten spendieren (diesbezügliche Forschung gibt es), und auch im Sinne der Nutzung menschlicher Arbeitsleistung ließen sich einige humane Fähigkeiten hierdurch deutlich verbessern.

Womit wir angekommen wären bei jenen Aspekten, die Fragen aufwerfen:
Geschieht der Einsatz eines Exoskelettes beim Arbeitnehmer, um diesen zu schonen? Oder um ihn produktiver zu machen? Nutzen wir die Dinger, um das Pflegepersonal zu entlasten (gerade im Altenpflege und Gesundheitsbereich würden nicht wenige Pfleger und Schwestern aufjauchzen, dürften sie beim Umbetten und ähnlichen anstrengenden Tätigkeiten solch ein Teil tragen)? Oder schnallen wir lieber den Alten das Gerät um, um Pflegepersonal einzusparen – schließlich kann der Senior nun die Treppe wieder selbst hinunter zum Mülleimer gehen…?

Bereits angesprochen wurde die Steuerung, und auch hier ist in puncto Entwicklung noch einiges an Potential drin. Stichwort: BCI – Brain Computer Interface, also die Schnittstelle zwischen menschlichem Gehirn und einer computerisierten Steuerung. Daran wird weltweit in einigen Einrichtungen und Unternehmen geforscht, und die Anwendung dieser Disziplin wäre hier nur konsequent.

Bevor nun die Apokalyptiker ihr Bedrohungsszenario auspacken: Beim Thema Sicherheit (ja, wir Deutschen sind hier führend, weil uns dieses Denken inne wohnt – auch, wenn darin natürlich auch wirtschaftliche Hemmnisse lauern) steckt der Teufel tatsächlich in der Steuerung. Das betrifft auch schon aktuelle Exoskelette. Denn was, wenn nicht mehr der Träger, sondern der Computer entscheidet, was gut ist? Was die geeignete Kraft für meine aktuelle Aufgabe, wann bewege ich mich, wann pausiere ich? Theoretisch wäre es durchaus denkbar, dass die Steuerung eines solchen Systems versehentlich oder absichtlich so agiert (z.B. weil sie gehackt wurde), dass ich festgeschnallter Weise das tun muss, was das Gerät von mir verlangt. Es also quasi seinen Träger bewegt statt umgekehrt – und zwar nicht in therapeutischer Absicht. Und letztlich: Verändert sich die menschliche Physis (wenn nicht gar die Psyche), wenn solche Hilfen dauerhaft verwendet werden?

Damit so etwas nicht passiert, forschen beim IPA nicht nur Mechatroniker, Physiker, Physiotherapeuten, Ergonomen und Sportwissenschaftler, sondern auch Software-Ingenieure daran, wie solche Systeme für den Verwender sicher, ergonomisch und vorteilhaft gestaltet werden können – immer passend zur gewünschten Aufgabe. Es ist heute möglich, für viele Anwendungsfälle speziell gestaltete Hilfsmittel in dieser Form herzustellen. Insofern hat die Zukunft bereits begonnen. Tatsächlich haben Unternehmen wie German Bionic, ein deutscher Hersteller dieser Produkte für das Industrie-Umfeld, bereits kommerzielle Hard- und Software im Programm. Der Mensch 2.0, bereit für die Industrie 4.0.

DER TRENDBEOBACHTER bedankt sich beim IPA für den Live-Einblick in eine neue Technologie des Wandels – eine, die Zukunft hat. Dorthin begleitet Mathias Haas übrigens all jene, die ihre Unternehmen und Organisationen zukunftsfit halten wollen. Seine Vorträge sind sozusagen das Fitness-Studio für den Kopf.

Und die von ihm gegründete PLAY SERIOUS AKADMIE (www.play-serious.org) wäre im übertragenen Sinne das Exoskelett – denn mit deren agilen Workshop-Methoden kommt einfach deutlich mehr Kraft auf die Straße.

Wer mehr wissen möchte, erfährt unter www.trendbeobachter.de , warum Trendbeobachtung eben keine Zukunftsforschung oder Trendforschung ist.

 

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