China skaliert Technologie. Wir Zweifel. Die Lösung…
China skaliert Technologie. Wir Zweifel. Es gibt eine Lösung!
Manchmal reicht ein einziger Blick hinter die Kulissen, um zu verstehen, wie spät es wirklich ist. Diese vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg International (BW_i) organisierte Delegationsreise war genauso ein Blick. Es waren über 40 Blicke.

Kein Sightseeing. Es gab kein „kulturelles Rahmenprogramm“. Sondern ein knallharter Realitätsabgleich mit der wirtschaftlichen Zukunft.
Wir waren nicht irgendwo, sondern mitten im Maschinenraum der globalen Transformation:
Peking, Guangzhou, Shenzhen – das neue globale Testgelände. Teilweise war es erdrückend. Macht fast ohnmächtig.
Wer hier nicht mithält, wird nicht einfach rausgeworfen, sondern vom Fließband der Zukunft aussortiert, bevor er überhaupt zum Kunden kommt.
Wenn sich Machtverhältnisse verschieben, ist Schweigen keine Option.
Diese Reise hat es glasklar gezeigt. Die globalen Machtverhältnisse verschieben sich nicht schleichend. Sie kippen. Und zwar sichtbar, spürbar. Unumkehrbar? Zwischen Ländern – etwa Deutschland und China. Aber auch innerhalb von Organisationen.
Früher war China der verlängerte Arm der deutschen Industrie und ein riesiger Absatzmarkt. Heute ist China der Nacken, der Kopf und der rechte Haken. Selbst der mittelständische Sensorlösungen-Spezialist SICK, eigentlich solide schwäbisch, formuliert es (sinngemäß) ohne Zögern:
Wenn du als Unternehmen erfolgreich sein willst, musst du in China erfolgreich sein. Kein Unternehmen kann China ignorieren!
Herr Dr. Jan Stefan Roell, Aufsichtsratsvorsitzender von ZwickRoell und Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, fasst die Lage wie folgt zusammen:
„Ihr nächster Konkurrent kommt aus China!”

Diese Klarheit hat Wucht. Sie stammt nicht aus einem Thinktank. Sie kommt von Unternehmen, die längst mitten im Kampf stehen.
PUDU Robotics: Wenn 80 Prozent Marktanteil nicht genügt.
Ein Beispiel, das sich ins Gedächtnis brennt, ist PUDU Robotics aus Shenzhen.
Marktanteil? 80 Prozent – weltweit – im Bereich Service-Robotik. Das ist nicht „führend“. Das ist monopolartig.
In Deutschland würde man für eine solche Zahl den gesamten Messekalender abklappern. In China? Da wird währenddessen bereits das nächste Segment erobert. Inklusive vertikaler Integration, proprietären Betriebssystemen, einer eigenen KI-Trainingsumgebung, Cloud und einem globalen Vertriebsteam.
Der Satz „PUDU hat Roboter für Restaurants“ greift daher viel zu kurz.
Die Wahrheit ist: PUDU baut eine Service-Plattform, in der Roboter, Kundeninteraktion, Cloud-Architektur, Wartungszyklen und ein gemeinsames, lernendes System bilden. Sie haben 8 Vertriebspartner in Deutschland.
Hier wird nichts „verkauft“. Hier wird Besitz ergriffen – von der Kundenschnittstelle, den Daten und dem Verhalten. Alles.

Robosense: Maschinen, die Maschinen bauen, die Sensoren bauen
Ein weiteres Beispiel, das die Realität so stark komprimiert wie ein Espresso auf Steroiden: Robosense hat seinen Sitz ebenfalls in Shenzhen.
Das Unternehmen stellt LiDAR-Sensoren her, die unter anderem in autonomen Fahrzeugen, Drohnen und Industrieanwendungen eingesetzt werden.
Doch das allein reicht ihnen nicht. Sie designen nicht nur ihre Sensoren selbst. Sie designen auch die Maschinen, mit denen diese Sensoren hergestellt werden.
Vertikale Integration? Nein, hier reden wir von vertikaler Domination.
Während man in Deutschland noch prüft, ob man sich eine zweite Bezugsquelle leisten kann, baut Robosense die ganze Lieferkette als Lego-Set nach – selbst gebaut, selbst kontrolliert, mit Software getaktet.
Vom Produkt zum Ökosystem: Chinas neue Spielführer.
Es sind nicht mehr nur die klassischen Industrieunternehmen, die das Spiel bestimmen. Es sind die Ökosystem-Architekten – Konzerne wie Start-ups, die Hard- und Software, Alltag und Infrastruktur, Mobilität und Cloud miteinander verweben, bis der Kunde gar nicht mehr merkt, wann er den Anbieter wechselt. Spoiler: Er tut es nicht mehr.

Xiaomi etwa – lange als „günstige Apple-Kopie“ belächelt – ist heute ein Tech-Gigant mit eigener Auto-Strategie. Nicht nur ein E-Auto, sondern gleich zwei Modelle (SU7 und YU7) zum Start, komplett eigenentwickelt.
Doch das ist nur der Anfang: Xiaomi denkt das Auto nicht als Produkt, sondern als verlängertes Betriebssystem des Smartphones. Navigation, Sprachsteuerung, Musik, Haushaltssteuerung – alles aus einer Hand. Wer braucht da noch Porsche-Exklusivität, wenn das Xiaomi-Auto automatisch die Heizung zu Hause anmacht, während man den Wagen parkt?
XPENG geht noch weiter – buchstäblich in die Luft.
Mit XPENG AeroHT baut das Unternehmen fliegende Autos, konkret: eVTOLs, elektrische Senkrechtstarter, die sich zusammenklappen und in die Garage stellen lassen. Klingt nach Science-Fiction? Ist es nicht. #LandAircraftCarrier
Denn: Ich selbst bin eVTOL geflogen. Mit eHang, ebenfalls aus China.
Das ist kein Konzept auf einem Messestand, sondern ein tatsächlich zertifiziertes, abgehobenes Luftfahrtprodukt. Und XPENG setzt genau da an – mit größerem Volumen, stärkerer Integration ins urbane Mobilitätssystem und einer klaren Botschaft:
„Wenn Du in Zukunft durch die Stadt willst, brauchst Du keinen Führerschein mehr – sondern nur noch einen Akku“.

Und dann ist da Tencent.
Sie bauen keine Produkte – sie bauen Realitäten.
Messaging, Payment, Gaming, Health, Cloud, KI – alles in einem einzigen App-Universum. Was bei uns zehn Firmen, fünf Passwörter und drei AGB-Häkchen braucht, ist dort: ein System, ein Login, ein Verhaltenstracker.
WeChat Pay, Gesundheitszertifikate, Kredit-Scoring, Mobilitätsbuchung – alles passiert dort innerhalb derselben Plattform.

Die politische Dimension: Daten, Kontrolle und Wahlfreiheit.
Und nun kommen wir zum eigentlichen Höhepunkt dieser Reise: die Rückkanäle. Die Datenströme. Die Kontrolle. Einige dieser Systeme, wie etwa humanoide Roboter, enthalten SIM-Karten.
Und ja, diese funken (zumindest teilweise) nach Hause. Nach China.
Das bedeutet: Selbst wenn ein Roboter in München tanzt oder putzt, kann sein „Herzschlag” in Peking analysiert werden. Das ist keine Dystopie. Das ist laut zuverlässigen Experten der aktuelle technische Status quo.
Und spätestens hier kommt Werteorientierung ins Spiel. Nicht als weichgespülte Ethik-PR, sondern als Differenzierungsmerkmal im globalen Wettbewerb.
Werte als Produktversprechen – wenn man es richtig macht.
Denn viele Kunden – etwa in Norwegen, Kanada, Ungarn, Australien oder den Mexiko – wollen die Wahl haben.
Sie wollen Systeme, die nicht heimlich Daten extrahieren. Sie wollen Lösungen, die nachvollziehbar, transparent und selbstbestimmt sind. Und hier liegt die strategische Chance für Europa: nicht im Nachbau, sondern im Gegenentwurf.
Wertebasierte Technologie.
Mit Datenschutz.
Mit Dezentralität.
Mit Kontrolle.
Mit Wahlfreiheit.
Das ist kein Verzicht. Das ist (eine mögliche) Positionierung. Für uns und unsere Unternehmen.
Und sie muss jetzt beginnen, bevor der Markt endgültig verteilt ist.
Und was macht Deutschland, Österreich oder die Schweiz?
Die Wahrheit?
Viele Organisationen sind träge. Das ist bekannt. Und so schwer zu verändern.
Nicht, weil sie dumm sind, sondern weil sie voller Prozesse, Altsysteme, Gremien, Abstimmungen und Risikoaversion sind.
Veränderung? Ja. Aber bitte erst nach der Betriebsversammlung. Und nach der Sommerpause. Freitags bist 16 Uhr. Und bitte nicht zu disruptiv.
Wir haben auf dieser Reise viele Gespräche geführt. Mit Start-ups, mit Großunternehmen, mit Ministeriumsvertretern. Und überall war klar:
Es wird anstrengend. Sehr sogar. Aber – und das ist die gute Nachricht –:
Heute ist es einfacher als in fünf Jahren.
Letzter Aufruf: Hausaufgaben machen. Jetzt.
China handelt nach seinen Werten. Nach seiner Agenda. Nach seinen strategischen Zielen. Selbstbewusst. Und das ist sein gutes Recht.
Unser Problem ist nicht China. Unser Problem ist unsere eigene Trägheit.
Während anderswo längst geliefert wird, diskutieren wir noch über Definitionen.
Wir müssen unsere Fixsterne neu setzen.
- Was ist unser Ziel?
- Für wen entwickeln wir?
- Mit welchen Werten und mit welchem Nutzenversprechen?
- Mit welchen Ambitionen?
- Welchen Zeithorizont haben wir?
- Welchen Preis zahlen Sie ganz persönlich?
Denn nur, wer weiß, wofür er kämpft, kann auch entscheiden, wie er kämpft. Im besten Falle ist China unser Fitness-Center.
Let’s work out!
Fazit: Der Weckruf war laut. Wer ihn nicht hört, will nicht hören.
Diese Delegationsreise, die durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und BW_i ermöglicht wurde, war keine Reise in die Zukunft. Sie war eine Reise in die Gegenwart, von der viele in Deutschland noch nicht einmal wissen, dass es sie gibt.
Jetzt liegt es an uns. Wer jetzt nicht handelt, wird gehandelt.
Let’s go!
P.S. Bei dieser Mission kann – je nach Ausrichtung – sicherlich das Positionspapier des Innovationsökosystems der KI-basierten Robotik in Baden-Württemberg ein Startpunkt sein. Die „intelligente Robotik der Zukunft“ startet ja auch bei uns nicht am Nullpunkt.

Mathias Haas ist der Trendbeobachter. Der international tätige Schwabe ist weder ein üblicher Trendforscher noch ein klassischer Zukunftsforscher. Er ist Pragmatiker und spricht Klartext. Er ist Dienstleister und bietet Orientierung.
Mit seinem Team der PLAY SERIOUS AKADEMIE unterstützt er Organisationen bei Wandel, Anpassungen und der Operationalisierung. Mathias Haas ist ambitioniert, denn Durchschnitt ist anstrengend und kein Geschäftsmodell.
Mehr unter http://www.trendbeobachter.de und http://www.play-serious.org.









