China stolpert – und wir holen Popcorn?

Ein Land, das „liefern“ will. Ein Land, das nicht fragt, ob der Markt noch etwas braucht, sondern produziert. Der Wettbewerb ist unendlich. Die (Jugend-)Arbeitslosigkeit bei rund 20 Prozent. 1,4 Milliarden Menschen eben!

Und das so, als gäbe es kein Morgen. Oder um es konkret zu machen: China baut sich bekanntlich gerade rund 100 neue Automobilhersteller auf. Nein, keine Werkstätten. Hersteller. Mit jeweils bis zu 25 eigenen Modellen. Und dazu? Dutzende neue Zulieferer, die ihre Zukunft auf diesen Sektor setzen. Die Logik dahinter? Die alte: Mehr ist besser. Doch die Realität sieht anders aus. Die stellt längst die Frage: Wer soll das alles kaufen?

Und das ist erst der Anfang. Wer es weniger blechern mag, kann auch auf humanoide Roboter zurückgreifen. Aktuell gibt es über 50 chinesische Start-ups, die Androiden entwickeln. Diese sollen mal die Pflege, mal die Logistik, auf das Schlachtfeld oder gleich das ganze Leben revolutionieren. Darüber hinaus legen auch „alte Bekannte” los. Xiaomi etwa. Auch der ehemals belächelte Smartphone-Hersteller arbeitet nicht nur an der europäischen Markteinführung 2027 des SU7 ultra und YU7, sondern natürlich an humanoiden Robotern. Fast alle mit großen Ankündigungen. Doch ein funktionierendes Geschäftsmodell… diese müssen sich – in vielen Fällen – ernst noch entwickeln, erst noch beweisen.

Windräder? PV-Anlagen? Wohnungsbau? Dasselbe Bild – nur mit Beton statt Silizium. Unzählige Bauträger stampfen auf Kredit neue Stadtteile aus dem Boden, während in den bereits existierenden Wohnungen oft das Licht ausbleibt – im wörtlichen Sinne. Laut aktuellen Daten stehen in China mehr als 65 Millionen Wohnungen leer (NZZ, 04.09.2023). Trotzdem wird weitergebaut. Warum? Weil Aufhören keine Option ist. Jedenfalls noch nicht. Die Wirtschaft schwächelt, jeder Arbeitsplatz wird erhalten – so scheint es.

„Liefern! Liefern. Liefern.“ – Doch für wen eigentlich?

Das Handelsblatt nennt es „Überkapazitäten“. Ein sanfter Begriff für ein knallhartes Problem: Es wird produziert, als gäbe es keine Grenzen – weder bei der Nachfrage noch bei den Ressourcen. In Wahrheit ist das System jedoch längst überhitzt. Die industrielle Maschine läuft auf Hochtouren, doch die Energie verpufft. Es fehlt der Abnehmer. Am Kapital. Und an Vertrauen.

Gleichzeitig spricht man bereits offen über ein ganz neues Phänomen: Zombie-Unternehmen. Damit sind Firmen gemeint, die zwar noch existieren, aber längst keine Gewinne mehr erwirtschaften und nur durch billige Kredite am Leben gehalten werden. In China betrifft das bereits über 12 % der Unternehmen – mit steigender Tendenz (vgl. Handelsblatt, 16.07.2025).

Wenn Masse zur Schwäche wird.

Das größte Missverständnis ist, dass Wachstum um jeden Preis Stärke sei. Was wir hier jedoch sehen, ist eher ein Abwehrkampf gegen die eigenen Überkapazitäten. Denn je mehr produziert wird, desto größer wird der Druck, Märkte zu finden – notfalls mit ruinösen Preisen. Das Ergebnis? Ein Preiswettbewerb, der nicht Innovation belohnt, sondern Ressourcen verschlingt.

Ein paar Symptome:

• Die Produktivität stagniert trotz hoher staatlicher Investitionen.

• Private Investitionen gehen zurück. Selbst niedrige Zinsen locken kaum.

• Die Bevölkerung schrumpft, somit sinkt auch die Nachfrage – eine tickende demografische Zeitbombe.

• Ausländische Direktinvestitionen brechen ein.

Die westliche Falle ist absehbar: Häme statt Haltung?

Und jetzt, lieber Westen? Lehnen wir uns jetzt zurück und schmunzeln leise? Früher oder später? Wenn mal 20 oder 60 Autobauer Insolvenz anmelden?

Das ist keine gute Idee!

Denn was wie ein großes Scheitern aussieht, könnte der Prolog zum nächsten Akt sein. Chinas industrielle Selbstüberschätzung ist real, doch das Land ist auch lernfähig. In „China-Speed“ lernfähig! Was heute wankt, kann morgen transformiert werden. Und das geht in China oft schneller, als westliche Prognosen erwarten. Gleichzeitig haben Unternehmen wie ZF sage und schreibe 10 Milliarden Schulden und nicht nur Mercedes Trucks möchte (bis 2027) 5 Milliarden einsparen. Gilt hier die gleiche Lernfähigkeit? Ein vergleichbarer Drang zu überleben? Genau das darf bezweifelt werden.

Beispiele für den Beginn der Bereinigung gibt es schon:

  • Evergrande, einst das größte Immobilienunternehmen der Welt, ist Geschichte – abgewickelt, zerschlagen.
  • Byton, der einst hochgelobte E-Auto-Hersteller? Insolvent.
  • WM Motor? Fusioniert mit Kaixin Auto – aus der Not heraus, nicht aus strategischen Gründen.
  • Aiways? Der Autobauer kündigte an, sich vom chinesischen Markt zurückzuziehen und künftig nur noch in Europa Autos anzubieten.

Was wir brauchen, ist Demut. Und Aufmerksamkeit. Denn wenn China beginnt, seine Überkapazitäten zu konsolidieren, wird daraus kein laues Lüftchen, sondern ein geopolitisches Erdbeben. Fusionen, staatliche Rettungspakete, komplette Branchen-Neustarts – all das wird kommen. Und wir sollten vorbereitet sein.

Der Mensch im Maschinenraum.

Bei dieser industriellen Mega-Show darf eines nicht vergessen werden: die Menschen. Denn hinter jeder Überkapazität, jeder gescheiterten Fabrik und jedem leeren Wohnblock steht ein menschlicher Preis. Millionen von Wanderarbeitern verlieren ihre Jobs, Familien rutschen in Armut und ganze Regionen stehen plötzlich still. Wenn Peking also bald nach neuen Strategien sucht, dann nicht nur aus wirtschaftlicher Not, sondern auch, weil der soziale Friede auf dem Spiel steht.

Fazit: Achtung vor der Implosion – und unserer Schadenfreude.

China ist noch nicht am Ende. Aber es steht am Wendepunkt. Das Land hat sich in einen Produktionsrausch manövriert, den es nun verdauen muss. Es wird (viele!) Pleiten, Fusionen und Stillstände geben. Doch wer das für das Ende hält, hat China nicht verstanden.

Der Westen muss aufhören, China zu unterschätzen. Statt mit Häme sollten wir mit wachem Blick und strategischem Denken reagieren. Denn das nächste große Innovationspaket aus China könnte bereits unterwegs sein – wenn auch nicht mehr aus einer x-ten Autobude, sondern vielleicht aus einem Labor für Quantenchips, Biotech und KI.

Und wir? Wir sollten nicht nur in Patente und Produkte investieren, sondern auch in Resilienz, Bildung und echte „Geschwindigkeit“. In den „Reset unserer Haltung“. In große – wirklich große – Investitionen! Persönlich wie im Unternehmen. Der neue Wettkampf wird nicht um mehr geführt. Sondern um besser und schneller zu sein. Im besten Fall wird China zum „Trainingscamp“ unserer Region. Oder sagen wir besser: zur landesweiten CrossFit-Bewegung?

Ja, Mathias Haas ist weder ein üblicher Trendforscher noch ein klassischer Zukunftsforscher. Er definiert sich auch nicht als Trendforscher, denn er zweifelt daran, dass man „Zukunft forschen” kann.

In seinen Impulsvorträgen zeigt der Redner, Moderator und Berater im Grunde die Gegenwart. Er macht die großen Megatrends greifbar, indem er ganz konkrete Innovationen, Geschäftsmodelle und neue Wege aufzeigt, sodass deutlich wird, was etwa KI, Nachhaltigkeit und Selbstoptimierung bedeuten!

Mehr dazu unter www.trendbeobachter.de und www.play-serious.org.